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Kampfkunst im Kontext von Training & Entwicklung

Die Integration von Kampfkunst in Training und Entwicklung begann ich 1994 und führte diese Arbeit über Jahre weiter.  In den Jahren des Trainings und Studiums der  japanischen Kampfkunst Aikido bis zum zweiten schwarzen Gürtel, konnte ich die dynamischen und mentalen Prinzipien in der Methodik für Trainings und Coachings unter der Marke Aikicom® vereinen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde Kampfkunst in einigen fortgeschrittenen Leadership-Trainings als Demonstration für Qualitäten wie „Entschlossenheit“, „Fokus“ und „Kraftentfaltung“ durch einen Meister vorgeführt und durch die Teilnehmenden lediglich beschrieben und interpretiert. 

1994 begann somit auch eine neue Ära, in welcher ich die Kampfkunst nicht nur als Illustration, sondern als primäre Methodik einzusetzen begann. Die Teilnehmenden erleben die erstaunlichen Möglichkeiten und Gesetzmässigkeiten in der Ausübung von ausgesuchten Elementen der Kampfkunst und übersetzten diese Erkenntnisse gleich in Führung und Kommunikation. Dies gelingt dadurch, dass ich die Kommunikation nicht nur auf Austausch von Worten und Gesten beschränke, sondern zusätzlich deren Kräftehaushalt aufzeige: Eine Fragestellung als Beispiel, kann das Gegenüber unter Druck setzen oder einen befreienden Raum öffnen.

Die Teilnehmenden erkennen Lösung um Lösung für unzählige Situationen im Team und der Führung, in denen sie bisher ohnmächtig waren oder zu Kraftlösungen oder Befreiungsschlägen greifen mussten.

In den folgenden Jahren reicherte ich Aikicom® durch ogumdo® (Ideen der Schwertkunst aus allen vier Himmelsrichtungen) Springen auf Feuerwehr Kissen, intuitives Bogenschiessen und. Axtwerfen  an, was zu einer noch nie erreichten Verfeinerung der Trainingsmethodik. führte. Eines Tages erkannte ein Absolvent der Ausbildung: „Du, Sven, ich verstehe, Kampfkunst ist Kommunikation…“ In seiner eindrücklichen Karriere danach als Leader im Finanzsektor hatte er so stets eine umfassendere Sicht auf seine Rolle und Mission und versteht es ausgezeichnet, sehr anspruchsvolle Kunden und Mitarbeitende zu führen. 

Ich kenne keine wissenschaftlichen Studien über die Verbindung von Kampfkunst, Führung und Kommunikation. Dafür besteht eine tausendjährige Empirik für die Umkehr dieser Verbindung: Der Erfolg und das Überleben im Kampf war und ist, neben den technischen Mitteln, immer von mentaler Überlegenheit sowie persönlicher und kollektiver Resilienz abhängig. Demzufolge schulte die Kampfkunst seit eh und je neben körperlichen auch emotionale und mentale Fertigkeiten und musste stets das modernste Wissen umsetzen. In einer Zeit der lernenden Organisationen sowie hoher mentaler und emotionaler Belastung lesen die Teilnehmenden aus diesen ewigen Konzepte deren eigenen, aktuellen Lösungen.

Und das Wichtigste: Kampfkunst verbindet das Lernen mit Freude und Begeisterung; eine für alle Teilnehmenden und den Lernerfolg hoch willkommene Quelle.

Sven Patrick Stecher, 2022